Zuverdienst

(Ausschnitte aus einem Dokument der Berliner Senatsverwaltung für Gesundheit, Soziales und Verbraucherschutz 2006)

Definition des Leistungsangebotes

Die Leistung ist Bestandteil des regionalen psychiatrischen Hilfesystems, sie ist eine Pflichtaufgabe der Bezirke. Zuverdienste sind wohnortnahe Beschäftigungsmöglichkeiten, die niedrigschwellig, dauerhaft, ohne Leistungsdruck, in abgestuften Schwierigkeitsgraden zur Verfügung stehen. Die Beschäftigung orientiert sich am individuellen Bedarf der/des Betroffenen und berücksichtigt Grundbedürfnisse der sozialen Teilhabe und sinnstiftender Tätigkeit. Die Nutzerinnen/Nutzer der psychiatrischen Zuverdienstprojekte erhalten eine Motivationszulage entsprechend des individuellen Leistungsvermögens. Diese dient primär der Moti-vation und stellt eine materielle Anerkennung dar. Sie darf keinesfalls die Höhe eines sozialversicherungspflichtigen Entgelts erreichen. Der Lebensunterhalt der Nutzerinnen/Nutzer muss durch andere Einkünfte (ALG II, Grundsicherung, EU-Rente, …) gesichert sein.

Personenkreis

Zuverdienste bieten Beschäftigungsmöglichkeiten für psychisch kranke und suchtkranke Menschen an.

Ziel

Allgemeines Ziel der Leistung ist es, Zuverdienstbeschäftigte zu befähigen, in einem möglichst normalen, sozialen Rahmen ihre Fähigkeiten einzusetzen, zu erhalten oder weiter zu entwickeln. Dabei ist die Annäherung an reale Arbeitswelten anzustreben. Weitere mögliche individuelle Ziele:

  • Soziale und gesundheitliche Stabilisierung
  • Gesellschaftliche Anerkennung durch Arbeit
  • Stärkung des eigenen Selbstbewusstseins
  • Schaffung einer Tagesstruktur
  • Schaffung von Kontaktmöglichkeiten zur Vermeidung von Isolation und Rückzug
  • Training von Sozial- und Schlüsselkompetenzen wie Kommunikationsfähigkeit, Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit, Regelmäßigkeit, Verbindlichkeit, Verantwortungsbewusstsein
  • Heranführung an berufliche Eingliederung und Entwicklung beruflicher Perspektiven

Angebots- und Aufgabenspektrum

Das Tätigkeitsspektrum von Zuverdienstprojekten ist auf das Leistungsvermögen der Nutzerinnen/Nutzer ausgerichtet und wird den besonderen Erfordernissen des Personenkreises gerecht. Dabei werden die unterschiedlichen Realitäten, Sichtweisen und Bedürfnisse von Frauen und Männern (Gender Mainstreaming) und die Ausgangslagen von Menschen mit Migrationshintergrund berücksichtigt. Die Weitervermittlung der Nutzerinnen und Nutzer in andere Beschäftigungsangebote (Praktikumsplätze, Hospitationen oder Ausbildungsangebote) kann ebenfalls zum Angebotsspektrum gehören. Die Beschäftigung umfasst im Allgemeinen max. 15 Wochenstunden und kann im begründeten Einzelfall erhöht werden. Der Beschäftigungsumfang orientiert sich an den individuellen Ressourcen des Einzelnen und den Möglichkeiten des Zuverdienstprojektes und wird flexibel vereinbart. Ein Zuverdienstarbeitsplatz kann von mehreren Personen genutzt werden. Das Angebots-/Tätigkeitsspektrum der Zuverdienste ist breit gefächert und umfasst bspw. einfache Montage- und handwerkliche Arbeiten, Dienstleistungen sowie kunstgewerbliche und künstlerische Arbeiten. Voraussetzungen für die Aufnahme einer Tätigkeit in Zuverdienstprojekten sind Interesse an Beschäftigung und die Bereitschaft eine verbindliche Vereinbarung mit dem Leistungsanbieter abzuschließen. Diese Vereinbarung ist dem individuellen Leistungsvermögen anzupassen und enthält Festlegungen zu Tätigkeiten und Arbeitszeit. Aufgrund der besonderen Erfordernisse des Personenkreises muss der Zugang niedrigschwellig und unbürokratisch gestaltet sein. Die Zuverdienste prüfen nach Kontaktaufnahme, ob Interessierte zu dem oben genannten Personenkreis gehört und ob die Beschäftigung zu den beschriebenen Zielen führen kann. Der Zugang erfolgt im Allgemeinen durch:

  • eigene Kontaktaufnahme mit dem Projektträger oder
  • Vermittlung über bezirkliche Steuerungsgremien oder
  • Vermittlung von Einrichtungen und Diensten des psychiatrischen Pflichtversorgungssystems bzw. dem Gemeindepsychiatrischen Verbund des Bezirks.

Voraussetzungen zur Leistungserbringung

Die Mitarbeiterinnen/Mitarbeiter verfügen über die im Tätigkeitsbereich erforderliche Fachkompetenz und persönliche Eignung sowie über pädagogische und/oder psychologische und/oder psychiatrische Fachkompetenz. Die Leistung wird im Allgemeinen von gemeinnützigen Trägern erbracht, die Erfahrungen in der Arbeit mit psychisch kranken Menschen bzw. abhängigkeitserkrankten Menschen vorweisen können. Die Ausstattung der Zuverdienstarbeitsplätze entspricht den Vorgaben der Berufsgenossenschaft und den Unfallverhütungsvorschriften.