Termin: Kräuterbuch-Vergleich mit Kräutertee

Am 8. 7. 2021 um 15:00 Uhr werden Frieder Monzer und Dr. Jörg Hansel im Garten des ÖkoGuts Buch Kräuterbücher vorstellen. Monzer ist selbst Reisebuchautor und kennt ein wenig das Verlagswesen. Seit seiner Schulzeit experimentiert er mit essbaren Wildkräutern. Sein Vater hatte außerdem als Schulgartenlehrer zur Verbreitung der Worcesterbeere beigetragen.

Es handelt sich um die erste öffentliche Veranstaltung des ÖkoGuts nach der Pandemie. Sie soll bei trockenem Wetter im halbschattigen Garten des ÖkoGuts Alt-Buch 51 stattfinden. Interessenten werden um Anmeldung per E-Mail (f.monzer@albatrosggmbh.de, begrenzte Teilnehmerzahl) gebeten. Es wird ein Vergleich mehrerer aktueller und älterer Bücher stattfinden. Bei einem kleinen Bummel durch den Permakultur-Bauerngarten können die Gäste gleich die Praxisnähe dieser Bücher testen. Für den Eintrittspreis von 5 € gibt es zudem reichlich Tee aus frischen Kräutern.

Rezension: Die erste Reise um die Welt

Antonio Pigafetta
Die erste Reise um die Welt (erstmals vollständig übersetzt und kommentiert)
An Bord mit Magellan
272 Seiten, wbg Edition, Darmstadt 2020, ISBN 978-3-53427-217-4

Denkanstöße nach 500 Jahren

Vor genau 500 Jahren war die erste Weltumsegelung im Gange. Oder heißt es im Schwimme? Man verbindet das meistens mit dem Namen des autoritären portugiesischen Kapitäns Fernão de Magalhães. Genau genommen war Magellan allerdings kein Weltumrunder. Er starb unterwegs bei einem selbst befohlenem Gefecht gegen Insulaner. Von den fünf Schiffen mit etwa 250 Mann Besatzung (leicht abweichende Zahlen in verschiedenen Quellen, plus sieben Kühen) erreichte eins mit 18 Mann (plus drei unterwegs Zugestiegenen) nach 1082 Tagen wieder den Heimathafen. Weitere etwa 70 Besatzungsmitglieder kamen auf anderen Wegen zurück. Kluge Zeitgenossen sahen in der Expedition einen endgültigen Beleg für die Kugelgestalt der Erde.
Eigentlich war gar keine Weltumsegelung geplant gewesen. Magellan wollte “nur” in spanischen Diensten einen neuen Handelsweg für Gewürznelken finden. Als Tauschwaren nahm er beispielsweise Taschenspiegel und Glasperlen mit. In Südamerika wurden angeblich für eine Axt zwei Sklavinnen angeboten.
Zu den ersten 18 Weltumseglern gehörte der italienische Ordensritter Antonio Pigafetta. Er führte unterwegs Tagebuch und veröffentliche später einen in mehrere Sprachen übersetzten Reisebericht. Pigafetta war ein guter Beobachter. Für die damalige Zeit verhielt er sich relativ tolerant. Sein Bericht kann auch heute noch viele Denkanstöße liefern: über Natur, Chancen und Risken, Glück und Zufriedenheit, Führungskultur, Multikulti, Globalisierung, Wirtschaft und Wachstum, …

Rezension: Essbare Wildpflanzen Europas

Eva-Maria Dreyer
Essbare Wildpflanzen Europas
1500 Arten
408 Seiten, Nikol, Sonderausgabe Hamburg 2020, ISBN 978-3-86820-577-0

Für Profis vorm Kamin

Wie kommt dieser Verlag zu seinen Produktpreisen? Wie können dicke Nachschlagewerke mit festem Einband (insgesamt ~ 1300 Gramm) neu billiger sein als manches Taschenbuch? Der Käufer freut sich natürlich …
Foto- und Druckqualität sind auf der Höhe der Zeit. Nirgendwo Grund zur Kritik.
1500 ist einerseits eine beeindruckende Zahl. Andererseits bleibt bei der Aufteilung von 1500 Arten auf die Seiten für jede Art nur etwa eine Viertelseite. Und selbst damit sind nicht alle essbaren Wildpflanzen Europas erfasst.
Das Buch eignet sich weniger für Einsteiger. Als Bestimmungsbuch schon gar nicht. Ein zufällig am Wegesrand stehendes Pflänzchen wird man kaum in angemessener Zeit auf hunderten Seiten mit alphabetischen Auflistung finden. Zumal einige Beschreibungen ohne Abbildung daherkommen. Bestimmtes Wissen wird somit vorausgesetzt.
Das Buch lohnt sich als Lektüre für Fortgeschrittene in deren ruhigen Stunden. Zum Blättern vorm Kamin beispielsweise. Für solche Zwecke erhält man hier überdurchschnittlich viel für sein Geld. Man kann seine Kenntnisse überprüfen und erweitern.
Auch eng verwandte Pflanzen wie beispielsweise 23 Klee- und 5 Steinklee-Arten werden einzeln beschrieben, zusätzlich 2 Schneckenklees sowie Horn- und Bockshorn- und Wundklee. Das fasziniert den Profi, der Laie ist jedoch überfordert. Wer hätte schon in diesem Buch 17 Weidenröschen-Arten erwartet?
Etwas problematisch erscheint die Einteilung in essbar (Seiten 24-355) und giftig (Seiten 356-391). Da sind Übergange fließend. Manche hier essbare Pflanze (Rainfarn, …) bezeichnen andere Autoren als toxisch. Manche hier giftige Pflanze (Kalmus, …) wird bis heute für bestimmte Lebens- und Genussmittelprodukte verwendet. Ein paar Bemerkungen zu diesen fließenden Übergängen stehen in der Einleitung. Vielleicht wäre zwischen essbar und giftig trotzdem noch eine dritte Rubrik “mit Vorsicht zu genießen” sinnvoll gewesen.
Auch die Einbeziehung eingeführter Kulturpflanzen anderer Kontinente in die essbaren Wildpflanzen Europas wird etwas willkürlich gehandhabt.
Über die Autorin ist im Buch wenig zu erfahren. Das Internet bezeichnet sie als promovierte Biologin. Auf alle Fälle ist sie fleißig und kompetent.

Rezension: Das große Buch der Heilpflanzen

Mannfried Pahlow
Das große Buch der Heilpflanzen
Gesund durch die Heilkräfte der Natur
528 Seiten, Nikol, Sonderausgabe Hamburg 2013, ISBN 978-3-86820-191-8

Westdeutsches Standardwerk zum Thema

Wie kommt dieser Verlag zu seinen Produktpreisen? Wie können dicke Nachschlagewerke mit festem Einband (insgesamt ~ 1300 Gramm) neu billiger sein als manches Taschenbuch? Der Käufer freut sich natürlich …
Mannfried Pahlow (1926-2000) war bis 1991 praktizierender Apotheker. Sein 1979 erstmals veröffentlichtes Heilpflanzenbuch ist wohl bis heute das bekannteste westdeutsche Buch zum Thema überhaupt. Allerdings gab es populäre ostdeutsche Veröffentlichungen vorher. Bereits 1961 erschien Siegfried Börngens Heilpflanzenbuch. 1962 folgte das Heilpflanzenbuch von Friedrich Dörfler und Gerhard Roselt. An Informationsfülle übertraf Pahlow seine ostdeutschen Kollegen dann deutlich. Außerdem erwähnte er homöopathische Anwendungen. Manche Pflanzen halfen damit einfach gegen alles. Gleichzeitig meldete Pahlow durchaus Zweifel bei einigen überlieferten Wirkungen an. Die direkten DDR-Konkurrenzwerke erschien letztmals 1990 beziehungsweise 1993. Pahlow selbst stützte sich unter anderem auf Schriften der Pfarrer Sebastian Kneipp (1821-1897) und Johann Künzle (1857-1945).
Neben Einleitung und Register gibt es den Hauptteil “Einheimische Heilpflanzen” (208 Beschreibungen in alphabetischer Folge, Seiten 51-358), den Teil “Fremdländische Heilpflanzen” (56 Beschreibungen alphabetisch, Seiten 359-426) und den Teil “Heilpflanzen aus alten Arznei- und Kräuterbüchern” (144 Kurzbeschreibungen alphabetisch, Seiten 427-486). Die meisten Arten werden sowohl mit Foto als auch mit einer Zeichnung markanter Details wiedergegeben, wobei die Beschreibung zur zweifelsfreien Artbestimmung nicht immer genügen dürfte.
Insgesamt ist diese Sonderausgabe ein Schnäppchen, obwohl das Internet inzwischen manches ausführlicher erläutert. Man findet jedoch derzeit keine deutschsprachige WWW-Darstellung, die Heilpflanzenwissen ähnlich sowohl umfangreich als auch übersichtlich präsentiert. Wollte man ein einziges Heilpflanzenbuch besitzen, dann wäre Pahlows Bestseller immer noch eine hervorragende Wahl. Wirklich ein großes Buch!

Rezension: Das Gift und wir

Herausgegeben von Mathias Forster und Christopher Schürmann
Das Gift und wir
Wie der Tod über die Äcker kam und wie wir das Leben zurückbringen können
448 Seiten, Westend, erste Auflage Frankfurt/Main 2020, ISBN 978-3-86489-294-3

Gute Zusammenfassung von Argumenten

Über 30 renommierte Expertinnen und Experten aus aller Welt liefern eine Zusammenfassung, wie die synthetischen Pestizide zur Bedrohung wurden, wie es ohne sie weiter gehen kann und muss. Deren weltweiter Einsatz ist zu einem gewaltigen Vernichtungsfeldzug geworden, längst sind die Gifte in uns selbst zu finden, im Gewebe und im Urin und in der Muttermilch.
Das allgemeine Problem solcher “Ökobücher”: Auf der Basis naturwissenschaftlicher Erkenntnisse kämpfen engagierte Menschen für eine lebenswerte Zukunft, sie wissen schon vieles aus diesem Buch. Politische Entscheidungsträger dagegen lassen sich noch überwiegend von finanzkräftigen Strukturen der Vergangenheit lenken, sie werden dieses Buch wahrscheinlich nicht lesen.
Gerade jetzt geht die Nachricht durch die Presse, dass ein Wissenschaftlerteam rund um Aolin Wang von der University of California 109 Industriechemikalien im Blut Neugeborener fand!

Rezension: Heilende Pilze

Jürgen Guthmann
Heilende Pilze
Die wichtigsten Arten der Welt
446 Seiten, Quelle & Meyer, aktualisierte und erweiterte Auflage Wiebelsheim 2020, ISBN 978-3-49401-851-5

Dickes Referenzwerk zu Großpilzen

Beeindruckend! Faszinierend! Zwei Kilogramm geballtes Wissen! Dem Chemie-Ingenieur Jürgen Guthmann gelingt hier im besten Sinne des Wortes ein populärwissenschaftliches Referenzwerk. Verständlich populär für den interessierten Laien und ergiebig wissenschaftlich für den involvierten Fachmann.
341 Seiten widmen sich 40 Pilzporträts und 31 Seiten ist allein das Literaturverzeichnis dick. Dazu kommt ein freundlich geschriebener Vorspann mit Erläuterungen zur Methodik des Buches und zu Inhaltsstoffen von Pilzen. Es werden jedoch mehr als 40 Arten beschrieben. Bei vielen seiner Porträts geht Guthmann nämlich auf verwandte Arten ein und landet somit insgesamt bei über 150. Dadurch sind die bekanntesten Speise- und Giftpilze Mitteleuropas fast alle erwähnt. Bemerkenswert ist zudem die starke Präsenz der Porlinge. Ein Bestimmungsbuch will Guthmann hier allerdings nicht liefern. Überhaupt verwundert die Dominanz Mitteleuropas/Eurasiens bei einem Buch über die Welt. Dem Leser im deutschsprachigen Raum wird´s recht sein. Sicher schlummert in den Tropen noch viel unerforschtes. Den größten Umfang mit 21 Seiten hat das Porträt über den Spitzkegligen Kahlkopf. Bezüglich juristischer Aspekte legt Guthmann eine perfekte Gratwanderung zwischen Informationen und Warnungen hin.
Zusammengehalten werden Texte und Bilder von einem sehr attraktiven Pappeinband.