Verpackungen

Die Erde ist ein Irrenhaus. Dabei könnte das bis heute erreichte Wissen der Menschheit aus ihr ein Paradies machen.
Joseph Weizenbaum (1923-2008)

Nationalpark an der Donau, sogar da flattern Plastikfetzen durch die Gegend

Seit Anfang Februar ist auf unserem Internet-Auftritt die Notiz zu lesen: „Verpackung und Transport sind wesentliche Bestandteile beim sogenannten Ökologischen Fußabdruck eines Produkts. Derzeit sucht unser Hofladen einen Austausch der bisherigen Gefrierbeutel für Birgits Wildkräutersalate.“
Die Fahndung nach Verpackungen ohne erdölbasierte Kunststoffe gestaltet sich aber schwierig.

Sozusagen die nachhaltigste Variante einer Verpackung ist natürlich der Verzicht auf eine Verpackung. Viele vor 1970 Geborene können sich noch an den Gang mit der Milchkanne zum Milchladen erinnern. Das empfand man damals als selbstverständlich. Heute werden manchmal sogar solche von der Natur vorzüglich geschützte Produkte wie Nüsse oder Bananen noch in eine Folie gewickelt.

Seit 1990 ist die „Duales System Deutschland GmbH“ mit ihrem „Grünen Punkt“ ein wichtiger Akteur bei der Müllentsorgung. Einige Politiker bezeichnen das als Erfolgsgeschichte und nennen uns Deutsche Recycling-Weltmeister. Die Öffentlichkeit ließ sich lange davon beeinflussen. Vor etwa 10 Jahren wurden dann die Unmengen an Müll und Mikroplastik in den Weltmeeren allgemein bekannt. Immer häufiger landen Plastikteilchen auch in der Nahrung. Seitdem wird wieder kritischer diskutiert.

Schauen wir uns einmal die sogenannte Erfolgsgeschichte des „Grünen Punktes“ in Deutschland genauer an. Eine sorgfältige Recherche gestaltet sich schwieriger als erwartet. Statistiken beziehen sich nämlich auf verschiedene Angaben wie

  • den Müll pro Kopf einschließlich aller Produktionsabfälle,
  • diesen Müll pro Kopf ohne Bauschutt und ohne Kompost,
  • den direkt im Privathaushalt anfallenden Müll oder
  • den direkt im Privathaushalt anfallenden Kunststoffmüll
  • und so weiter und so fort.

Leider führte der „Grüne Punkt“ zu keiner Müllreduzierung. Rund 38 kg Plastikmüll produziert jeder Deutsche pro Jahr. Der EU-Durchschnitt liegt bei 24 kg. Corona-Müll verschärft die Situation zusätzlich.
Laut Umweltbundesamt wurden 2019 über 30 Prozent der Kunststoffe für kurzlebige Verpackungen hergestellt. 53 Prozent der wieder eingesammelten Kunststoffe wurden verbrannt. Schöner klingt natürlich „thermisch verwertet“. Außerdem ist Deutschland der drittgrößte Exporteur von Plastikmüll. Auch die oftmals illegale Behandlung in den Zielländern zählt in Deutschland dann als Recycling.
Sieht so eine Erfolgsgeschichte aus?

Ein besonderes Kapitel bei Verpackung und Transport ist der Boom von in Flaschen verkauften Mineralwässern. Der Berliner Verein a tip:tap kämpft seit 2012 in Theorie und Praxis gegen den Konsum von Flaschenwasser. Unser Leitungswasser

  • verbraucht keine Ressourcen für Flaschen und ihren Transport (Potential ~ 100.000 Tonnen Kohlendioxid-Vermeidung jährlich in Berlin),
  • ist das am strengsten kontrollierte Lebensmittel,
  • kostet wenig und macht das mühsame Schleppen überflüssig.

A tip:tap setzt sich für mehr Trinkbrunnen in Berlin ein und unterstützt die Initiative Refill-Berlin. Auf dieser Internet-Darstellung erhält man eine Landkarte mit Trinkwasser-Abfüllpunkten. Ähnlich funktioniert die App Trinkwasser unterwegs.
Als Modul für Veranstaltungen im ÖkoGut ist eine Wasserverkostung in Vorbereitung. Wässer verschiedenster Preislagen sollen von den Besuchern bei Blindverkostungen geschmacklich beurteilt werden. Befreundete Organisationen berichten von einem erstaunlich gutem Abschneiden des Berliner Leitungswassers.

Zurück zur Ausgangsfrage: Wie verpacken wir Birgits frische Wildkräutersalate? Unsere Kollegin sammelt sehr liebevoll zarte Blätter verschiedener gesunder Wildkräuter und dekoriert diese mit essbaren Blüten. Eine solche Ware wirkt mit einer durchsichtigen Verpackung am attraktivsten. Hier kommen die seit einigen Jahren entwickelten kompostierbaren Verpackungen (aus Polymilchsäuren, Zuckerverbindungen oder Zellstoffen) ins Spiel. Wir wollen demnächst einmal die zuckerbasierten Verpackungen der Firma GreenBox ausprobieren …

Die auch Bioplastik genannten kompostierbaren Verpackungen sind zwar theoretisch kompostierbar, falls man auch Tinte und Klebstoffe dabei entsprechend giftfrei wählt, aber

  • weil sie oft wie konventionelles Plastik aussehen, werden sie von den meisten Entsorgungsfirmen nicht in der Biotonne akzeptiert, laut Bundesgesetz VerpackG dürfen sie dort sowieso nicht hinein,
  • die Rohstoffe kommen oft aus großflächigen Monokulturen,
  • sie verrotten deutlich langsamer als Pflanzenabfälle und bilden keinen guten Humus.

Viele Fachleute sind deshalb der Meinung, dass unter den gegenwärtigen Rahmenbedingungen Recycling-Material ökologisch besser abschneidet als Bioplastik. Es bleibt also spannend, wir vom ÖkoGut Buch werden weiterhin nach der optimalen Problemlösung suchen.