Permakultur


Permakultur auf dem Ökogut: Erdbeeren und Zwiebeln in einem Beet.

Permakultur ist ein uraltes Landwirtschaftskonzept der Menschheit, geriet jedoch einige Jahrzehnte lang fast völlig in Vergessenheit.

Eine verbindliche Begriffsdefinition für „permanent agriculture“ gibt es nicht. Gemeint ist, Pflanzen und Bodenorganismen beim Ackerbau so zu vernetzen, dass sie sich gegenseitig unterstützen und man ohne Gift mit wenig Arbeit auskommt. Als Vorbild gelten Kreisläufe, in denen „Schädlinge“ durch die Wechselwirkungen einer gesunden Natur automatisch in Schach gehalten werden.
Eine geschickte Auswahl eng benachbarter Nutzpflanzen, eine sogenannte Mischkultur, kann so ihr gesundes Wachstum fördern.

Beispiele:

  • Mais + Bohnen + Kürbisse (auch “Milpa-Beet” oder “Drei Schwestern” genannt) wurde in Mexiko schon lange vor Kolumbus praktiziert): Mais stellt eine Rankehilfe für die Bohnen dar, die Bohnen reichern mit ihren Knöllchenbakterien Stickstoff im Boden an und liefern den Kürbissen und dem Boden Schatten.
  • Möhren + Zwiebeln: Möhrenfliegen meiden eine Umgebung mit Zwiebeln, Zwiebelfliegen eine mit Möhren.
  • Erdbeeren + Zwiebeln: Die Zwiebeln verhindern Pilzkrankheiten bei den Erdbeeren.
  • Kohl (kein Rotkohl) + Tomaten + Knoblauch: Ebenfalls bewährt, insbesondere beugt man damit den durch Algenpilze der Gattung Phytophthora verursachten Pflanzenkrankheiten vor.

Die zentrale Methode der Permakultur zur Förderung der Bodenfruchtbarkeit ist das Mulchen. Dabei wird der Boden mit unverrotteten organischen Materialien bedeckt.
Am häufigsten kommen Rasenschnitt und andere zerkleinerte Grünpflanzen, gehäckselte Rinde, Laub und Stroh zum Einsatz. Der Grünschnitt sollte möglichst wenig reife Samen enthalten. Pflanzenteile mit besonders hohem Gerbstoffgehalt wie Eichenrinde oder Walnussblätter sollten nur sparsam beigemischt werden.
Mulchen erfüllt folgende drei Funktionen:

  • Bodenschutz: Mulch sorgt für geringere Temperaturschwankungen und fördert die Bodenfeuchtigkeit. Im ÖkoGut Buch braucht man für Mulchbeete weniger als die Hälfte des Gießwassers!
  • Nährstoffeintrag: Aus Mulch entsteht nach und nach Humus, nützliche Bodenorganismen bekommen verbesserte Lebensbedingungen.
  • Beikrauthemmung: Zwischen den mit Mulch umgebenen Nutzpflanzen finden andere Pflanzen kaum Licht, dazu muss die Mulchschicht aber mindestens zehn Zentimeter dick sein. Vor dem Mulchen ist es wichtig, das Beet gründlich durchzuhacken.

Zur Düngung wird außer Kompost nur ein mäßiger Einsatz von Naturmaterialien wie Kalk (Calcium) und Hornspänen (Stickstoff) akzeptiert. Eine tiefe Bodenbearbeitung sollte nur ausnahmsweise und keinesfalls jährlich stattfinden. Permakultur fördert die Vielfalt an Kleinlebewesen. Auch sogenannte „Biologische Schädlingsbekämpfung“ wie den Einsatz von Laufenten gegen Schnecken könnte man als Teil der Permakultur ansehen.

Besonders oft unterschätzt wird die Bedeutung der Regenwürmer, im Gegensatz zu bunten Fluginsekten haben diese fleißigen Tierchen viel weniger Fans. Vielen wird gar nicht bekannt sein, dass die Bezeichnung Regenwurm allein schon in Deutschland dutzende biologischer Arten (Tauwurm, Kompostwurm, …) meint. Unter dem Einsatz von Gartengiften leiden die unterirdischen Helfer ebenso wie die oberirdischen, ansonsten weiß die Wissenschaft noch erstaunlich wenig über sie.

Die Umstellung eines Gartens auf Permakultur mit Mulch gelingt nicht über Nacht. Organische Kreisläufe müssen sich einpendeln. Nach einigen Jahren verbessert sich das Verhältnis von Ertrag zu Arbeitsaufwand oft deutlich. Spätestens dann macht Permakultur so richtig Spaß. Auch die Vögel werden es danken.

Bunte Permakultur am Hoverla (Ostkarpaten, höchster Berg der Ukraine), Dagmar Everding