Giersch

Unkraut nennt man die Pflanzen, deren Vorzüge noch nicht erkannt worden sind.
Raph Waldo Emerson (1803-1882)

Der wuchernde Doldenblütler Giersch (Aegopodium podagraria) bereitet vielen Gärtnern Probleme. In lockerem Boden bildet er schwer zu bekämpfende Wurzelgeflechte. Allerdings kann man zarte Gierschblätter vielseitig in der Kräuterküche verwerten. Der würzige Geschmack liegt sozusagen in der Mitte zwischen Petersilie und Karotte. Ein ziemlich klares Unterscheidungsmerkmal gegenüber giftigen Arten aus der Pflanzenfamilie der Doldengewächse ist der dreikantige Blattstiel mit konkav eingezogener Oberseite.
Doch nicht nur Gierschblätter sind heutzutage bei eingefleischten Wildkräuterfans in aller Munde. Die süßeren Blüten eignen sich als essbare Dekoration. Die an Kümmel erinnernden schärferen Samen ergeben getrocknet ein haltbares Gewürz.
Gesunde Inhaltsstoffe: Mineralien (K, Mg, Ca, Mn, Zn, Cu), Vitamine (A und C), Eiweiß, Harz, Öl, Flavonoide und Phenolcarbonsäuren.

Aber was, wenn man es doch nicht schafft, den im Garten wachsenden Giersch komplett zu verwerten? Abgesehen von fragwürdigen Giften gibt es vier Methoden der Bekämpfung:
• Wurzeln gründlich beseitigen
Die effektivste Beseitigung von Giersch ist die komplette Entfernung der Wurzelgeflechte (Rhizome). Am besten funktioniert dies mit einer mehrzinkigen Grabegabel. Aus dem lockeren Boden müssen alle Wurzeln mit der Hand herausgezogen werden.
• beschattende Pflanzen anbauen
Einige konkurrierende Pflanzen können Giersch erfolgreich überwuchern. Sie verdecken durch ihre Blätter das Licht und entnehmen dem Boden Wasser und Nährstoffe. Besonders bewährt haben sich Kartoffeln und dicht wachsende Blütenstauden.
• mit Karton abdecken
Die Giersch-Fläche wird mit Pappe belegt und mit Kompost oder Mulch bedeckt. Nach zwei Jahren sind Wurzeln darunter abgestorben. Allerdings enthalten viele Kartonagen nicht nur unbedenkliche Zellstoffe.
• mähen oder jäten
Oberflächliches Beseitigen schwächt die Gierschpflanzen. Ganz vertreiben kann man sie dadurch nicht.

Die Renaissance des Giersch ist relativ neu. Dabei wurde er schon in der Antike als Heilkraut beschrieben. Sein wissenschaftlicher Name deutet auf die Wirkung gegen Podagra (Gicht) hin. Eine alte Regionalbezeichnung lautet Zipperleinskraut. Weitere verbreitete Namen sind Dreiblatt und Geißfuß.
Im 20. Jahrhundert scheint Giersch trotz mancher Hungersnöte aber kaum noch verwendet worden zu sein. Allenfalls als Haustierfutter nutzte man ihn beispielsweise für Kaninchen oder Ziegen. Meerschweinchen finden Giersch ebenfalls lecker. Sowohl die bewährten DDR-Heilkräuterbücher als auch der legendäre Wälzer des Apothekers Manfred Pahlow erwähnen ihn mit keinem Wort. Die dicke Gartenenzyklopädie der Royal Horticultural Society widmet der Quecke und dem Giersch lediglich den zweifellos richtigen Satz: „Mehrjährige Unkräuter gehören grundsätzlich nicht auf den Komposthaufen, …“
Ganz anders die Situation jetzt, im Internet stößt man auf hunderte Rezepte mit Giersch: als Salat oder Spinat-Ersatz, für Eiergerichte, Füllungen und Würzpasten, Eintöpfe und Suppen, Limonaden und Smoothies. Auch die Homepage vom ÖkoGut Buch wird ab sofort in loser Folge „Schnelle Rezepte mit Giersch“ veröffentlichen. Vielleicht passen ein paar Anregungen zu Ihrer Küche?