Rezension: Die erste Reise um die Welt

Antonio Pigafetta
Die erste Reise um die Welt (erstmals vollständig übersetzt und kommentiert)
An Bord mit Magellan
272 Seiten, wbg Edition, Darmstadt 2020, ISBN 978-3-53427-217-4

Denkanstöße nach 500 Jahren

Vor genau 500 Jahren war die erste Weltumsegelung im Gange. Oder heißt es im Schwimme? Man verbindet das meistens mit dem Namen des autoritären portugiesischen Kapitäns Fernão de Magalhães. Genau genommen war Magellan allerdings kein Weltumrunder. Er starb unterwegs bei einem selbst befohlenem Gefecht gegen Insulaner. Von den fünf Schiffen mit etwa 250 Mann Besatzung (leicht abweichende Zahlen in verschiedenen Quellen, plus sieben Kühen) erreichte eins mit 18 Mann (plus drei unterwegs Zugestiegenen) nach 1082 Tagen wieder den Heimathafen. Weitere etwa 70 Besatzungsmitglieder kamen auf anderen Wegen zurück. Kluge Zeitgenossen sahen in der Expedition einen endgültigen Beleg für die Kugelgestalt der Erde.
Eigentlich war gar keine Weltumsegelung geplant gewesen. Magellan wollte “nur” in spanischen Diensten einen neuen Handelsweg für Gewürznelken finden. Als Tauschwaren nahm er beispielsweise Taschenspiegel und Glasperlen mit. In Südamerika wurden angeblich für eine Axt zwei Sklavinnen angeboten.
Zu den ersten 18 Weltumseglern gehörte der italienische Ordensritter Antonio Pigafetta. Er führte unterwegs Tagebuch und veröffentliche später einen in mehrere Sprachen übersetzten Reisebericht. Pigafetta war ein guter Beobachter. Für die damalige Zeit verhielt er sich relativ tolerant. Sein Bericht kann auch heute noch viele Denkanstöße liefern: über Natur, Chancen und Risken, Glück und Zufriedenheit, Führungskultur, Multikulti, Globalisierung, Wirtschaft und Wachstum, …